Auf das Fähigkeiten Paradoxon ist man über Umwege gestoßen. Genauer genommen hat es seinen Ursprung im Sport – spezifisch im Baseball. Aber worum geht es hierbei genau? Uns ist bewusst, das die Resultate, die man im Laufe seines Lebens erzielt, auf eine gewisse Kombination aus Fähigkeiten und Glück zurückzuführen ist. Fähigkeiten kann man durch stetes, konzentriertes Lernen und Trainieren kontinuierlich verfeinern. Zehntausend Stunden, so sagt man, werden benötigt um ein Maximum zu erreichen.

Nun hat man aber Folgendes herausgefunden: Das Fähigkeiten-Paradoxen hat aufgedeckt, dass in vielen Lebensbereichen die Verbesserung der Fähigkeiten deine Abhängigkeit von Glück nicht verringert, sondern sogar erhöht. Je mehr Fähigkeiten im Spiel sind, desto mehr hängt dein Erfolg von Glück ab. Michael Mauboussin hat hierzu ein interessantes Paper verfasst.

Wie alles angefangen hat

Ein renommierter Forscher der Harvard University hat sich gefragt, wieso seit Ted Williams im Jahre 1941, kein Spieler der Major Baseball League dazu in der Lage war, seinen Schlagdurchschnitt (engl. Batting Average) im Laufe einer ganzen Saison über .400 zu halten. In jeglichen Sportarten, in den Performance gegen die Zeit gemessen wurde haben sich die Athleten merklich verbessert. Egal ob Schwimmen, Rennen oder Radfahren. Auch Baseball-Spieler sind besser geworden. Sie sind fitter, schneller und stärker. Warum also gibt es keinen .400 Hitter mehr?

Stellen wir uns eine Normalverteilung vor. Einige Spieler werden im Verlauf der Saison mehr Glück haben als andere. Ein Hitter, der einen .400 Durchschnitt erzielen möchte, braucht herausragendes Können und genauso viel Glück. Aber wir wissen, dass sich Glück über die Grundgesamtheit aller Hitter und über den Verlauf einer ganzen Saison ausgleicht und damit Null ergibt. Dies heißt wiederum, dass sich die durchschnittliche Fähigkeit (ausgedrückt als Batting Average) verringert und sich bei einem gewissen Durchschnitt eingependelt hat – dieser liegt seit 75 Jahren konstant bei ca. 0.260-0.270.

Wieso also keine bessere Durchschnittsfähigkeit?

Der Grund weshalb die Durchschnittsfähigkeit eines Hitters also nicht besser geworden ist, liegt an der Tatsache, dass das Resultat vom Duell zwischen Werfer und Hitter abhängt. Wenn beide sich in gleichen Schritten verbessern, können sich die Fähigkeiten signifikant verändern obwohl der Batting Average genau derselbe bleibt. Die Standardabweichung im Hinblick auf die Fähigkeiten aller Spieler wird immer kleiner. Einfach übersetzt: die Fähigkeiten der Spieler sind sich so ähnlich und auf so hohem Niveau, dass Glück (Tagesform, Wind, Veränderung der Flugbahn im Millimeterbereich) einen immer höheren Einfluss auf den Ausgang des Spieles hat. Warum unterscheiden sich die Fähigkeiten zwischen dem besten und schlechtesten Spieler immer weniger? Nun, anfangs durften nur weiße Spieler in die Liga aufgenommen werden. Später wurden dann Männer aus allen Ländern zugelassen, was den Fähigkeitenpool enorm vergrößert hat. Die unterschiedlichen Fähigkeiten waren enorm. Seitdem ist der Pool aber gleichgeblieben, alle trainieren auf gleichem Niveau – mit den selben verbesserten Methoden.

Im Durchschnitt sind die Spieler von heute also kaum mit denen von vor 70 Jahren vergleichbar. Sie sind in jeglicher Hinsicht überlegen. Aber deren Resultate sind mehr an Glück gebunden als damals. Und wir sehen dieses Phänomen in allen Sportarten. Wir nähern uns den Grenzen des physisch möglichen an. So hat sich die Gewinnzeit beim Marathon von 1932 bis 2012 um 23 Minuten verringert. Gleichzeitig hat sich aber die Zielzeit zwischen dem 1ten und 20ten ebenfalls von 39 Minuten auf 7.5 Minuten verringert.

Wir sehen dieses Phänomen also immer und immer wieder – beim Sport, im Business, beim Investieren. Die Fähigkeiten der Leute werden immer besser aber nähern sich gleichzeitig immer weiter an. Eine weitere Lehre ist, dass ein absolutes Messen an Bedeutung verliert. Wenn ich 10% wachse und eine Marge von 15% erwirtschafte hört sich das nicht schlecht an. Aber wenn meine Wettbewerber 40% wachsen und dabei 20% erwirtschaften habe ich ein Problem. Ich verliere Marktanteile und somit das Rennen. Als Privatperson hat man genau dasselbe Problem. Jeder hat Zugang zur Bildung. Immer mehr Leute haben die gleichen Abschlüsse und mehr Praktika. Je höher das Angebot an Arbeitskräften, desto geringer der Preis (=Gehalt).

Das Fähigkeiten Paradoxon beim Investieren

Nirgendwo sonst ist das Paradoxon so allgegenwärtig wie beim Investieren. Dank der Vernetzung und verschiedenster Technologien haben immer mehr Leute schnelleren Zugang zu Informationen, die sofort in die Preisbildung fließen. Gleichzeitig sind immer mehr gut ausgebildete Akteure am Markt aktiv, die neue Informationen schnell auswerten und damit die Preislücke schließen. Daher gibt es auch immer weniger Mispricings (Schnäppchen) am Markt.

Was können wir gegen das Fähigkeiten-Paradoxon unternehmen?

  1. Findet Tätigkeitsfelder/Länder/Berufe, in den die Standardabweichung der Fähigkeiten bei den Marktteilnehmern noch immer groß ist. Denn in solch einem Markt, in solch einer Umgebung, werden diejenigen mit besseren Fähigkeiten immer die Oberhand gewinnen. In gut entwickelten Aktienmärkten wie beispielsweise den USA kann man nur unterbewertete Titel finden, wenn der Herdentrieb oder Emotionen im Spiel sind. Schaut abseits der Wege und plötzlich ergeben sich viele Möglichkeiten. Jetzt versteht ihr wie wir die meisten unserer Investmentideen generiert haben und diese stark vom Mainstream abweichen.
  2. Denkt relativ. Nicht Absolut. Bei Aktivitäten bei denen es keinerlei Interaktion oder Glück gibt, sind Skills/Fähigkeiten alles was zählt (100M Sprint). Bei allen anderen Fällen – und das sind die meisten – kommt es immer auf eure Gegenspieler an. Ergebnisse resultieren aus euren Handlungen und denen eurer Gegner. Entwickelt euch non-stop weiter ansonsten habt ihr bereits verloren.
  3. Der Prozess ist wichtiger als das Ergebnis. Wenn ihr beispielsweise ein extrem guter Pianist werden wollt, ein Gebiet bei dem Glück keine Rolle spielt, dann reichen 10 Tausend Stunden konzentriertes Üben aus um ein enormes Niveau zu erreichen. Die Resultate (die Stücke die ihr spielt) lassen direkt auf euer Fähigkeiten/Skills schließen. Wenn ihr aber in einem Feld tätig seid wo Glück eine Rolle spielt, solltet ihr auf den Prozess und nicht auf das Ergebnis fokussiert sein. Denn Glück bricht die direkte Verbindung zwischen Ergebnis und Fähigkeiten – du kannst herausragende Skills haben und dennoch verlieren. Du kannst wenig Skills haben und trotzdem ab und an gewinnen.  Der Prozess wird dir dabei helfen, langfristig wie ein Casino immer zu gewinnen.

Fazit

Das Fähigkeiten-Paradoxon soll euch motivieren jeden Tag ein stückweit besser zu werden und eure Gegenspieler nicht aus dem Auge zu verlieren. Gleichzeitig lehrt es Gelassenheit – denn wenn man alles Mögliche getan hat um erfolgreich zu sein und sich an seinen Prozess gehalten hat, sollte man das Ergebnis einfach so akzeptieren wie es ist und seine Lehren daraus ziehen.

Manchmal hat man Glück und die Resultate werden die eigenen Erwartungen bei weitem übertreffen.

Manchmal hat man Pech und die Resultate bleiben hinter den eigenen Erwartungen zurück.   

 

 

 


RECHTLICHER HINWEIS NACH WPHG
Die in diesem Blog enthaltenen Beiträge und Analysen sind unsere persönliche Meinung und stellen weder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar, noch sind sie als Beratungsleistung zu werten. Wir übernehmen trotz aller Sorgfalt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen; sie beruhen auf Quellen, die wir für vertrauenswürdig und zuverlässig halten.
Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Handel mit Aktien, Optionsscheinen, Zertifikaten, Optionen und anderen Finanzprodukten mit grundsätzlichen Risiken verbunden ist und zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann. Gewinne der Vergangenheit können zukünftige Ergebnisse nicht garantieren.
Für Investitionen, die aufgrund unserer Aussagen getätigt werden, übernehmen wir keinerlei Verantwortung. Jeder Anleger handelt auf eigenes Risiko und sollte sich von einem bankunabhängigen Experten beraten lassen, inwieweit die vorgestellten Wertpapiere zu seinem persönlichen Risikoprofil passen.