In den letzten Wochen, die börsentechnisch etwas turbulenter waren, haben uns viele Gespräche dazu gebracht über ein faszinierendes Thema nachzudenken.

Wie kommt es dazu, dass viele unterschiedliche Personen, die denselben Stil verfolgen oder gar in die gleichen Werte investieren, jeder für sich komplett unterschiedliche Resultate erzielen? Und mit unterschiedlich meinen wir keine Nachkomma Stellen sondern wirklich Renditeunterschiede im zweistelligen Prozentbereich.

Wir haben uns in diesem Zusammenhang etwas umgesehen und ein interessantes wissenschaftliches Paper gefunden, welches sich mit genau diesem Thema auseinandersetzt: Craftsmanship Alpha: An Application to Style Investing von Ronen Israel. Wir fassen in diesem Artikel die wichtigsten Punkte aus dem Paper zusammen. Wer gerne in die einzelnen Details eintauchen möchte, kann sich im Nachgang nochmal das Paper vornehmen.

Am Anfang eines Investmentprozesses fällt die Entscheidung darüber, welchen Stil man verfolgen wird. Value, Momentum, Daytrading, Quality Investing, etc. Im Nachgang dieser Grundsatzentscheidung jedoch folgen eine Vielzahl von kleineren Entscheidungen, die individuell getroffen werden. Jede Entscheidung für sich alleine wird zwar nur einen kleinen bis mittleren Einfluss auf eure Rendite haben, im Kollektiv jedoch sind die Auswirkungen auf euren Investmenterfolg enorm.

Ronen Israel bezeichnet diese Vielzahl von kleinen zu treffenden Entscheidungen als Craftsmanship. Ein Handwerk – kleine Zahnräder die ineinander greifen und einen Mehrwert generieren oder eben negative Auswirkungen haben. Das Geheimnis liegt darin, zu wissen welche kleine Entscheidungen dies überhaupt sind. Und das Wichtigste: Man muss diese Entscheidungen im Folgenden bewusst treffen, Schritt für Schritt.

Die wichtigsten Faktoren besprechen wir nachfolgend:

Der Investmentstil

Eine wichtige Erkenntnis dieses Papers haben wir bereits in einem unserer früheren Artikel diskutiert. Ein Multi-Style-Portfolio ist besser als ein Single-Style-Portfolio. Anders gesagt: Eine Kombination aus mindestens zwei verschiedenen Stilen, die miteinander keine oder eine nur schwache Korrelation aufweisen erzielen langfristig die beste Performance. So performen beispielsweise Value-Aktien in Krisenzeiten sehr gut, liegen in starken Bull-Märkten allerdings deutlich hinter Momentum-Aktien. Der Quality Investing Ansatz versucht genau diese Schwäche auszugleichen. Eine gewisse Diversifikation liegt diesem Investmentstil inne. Allerdings sollte man um optimal abgesichert zu sein auch Assets mit ins Portfolio aufnehmen, die rein gar nichts mit diesem Stil zu tun haben. So zum Beispiel Gold, Kryptowährungen etc. – eben alles was dabei hilft euer Portfolio zu hedgen. Dazu später mehr.

Der Investmentstil hat dann direkten Einfluss auf die Aktienauswahl, die wiederum auf einer Bewertung und verschiedensten Kennzahlen beruht. Die Bewertung sowie die Auswahl der entsprechenden Kennzahlen übernehmen wir für euch und haben die konkrete Herangehensweise schon in früheren Artikeln besprochen und dargelegt. Wichtig ist an dieser Stelle, sich nicht auf eine einzelne Kennzahl zu verlassen, sondern sich eine Handvoll gegenseitig ergänzender KPIs zusammenzustellen. 

Während die Auswahl des Investmentstils größtenteils dem eigenen Gemüt entsprechen muss, erfordert die Aktienauswahl- und Bewertung bereits Know-How und Erfahrung. Bis an diese Stelle begleitet euch The Value Circle.

Die Ausführung

Ab dem Moment der Entscheidung eine bestimme Aktie ins Portfolio aufzunehmen, erfolgt ein Abschnitt der genauso wichtig ist wie die Entscheidung selbst und dieser in Sachen Komplexität in nichts nachsteht. Diesen Schritt setzt ihr allerdings alleine um.

Gewichtung & Positionsaufbau

Im ersten Schritt entscheidet ihr euch, wie ihr eine bestimmte Aktie in eurem Portfolio gewichten und fortan halten wollt. Wir haben unseren Ansatz hier im Detail beschrieben. Daraus könnt ihr schon mal ableiten wie hoch das Gesamtinvestment sein kann, was euch wiederum erlaubt eine Einkaufs- und Tradingstrategie zu entwickeln. Da wir nicht an Markt-Timing glauben, initiieren wir meist eine kleine Position und bauen diese dann über längere Zeit schrittweise auf. Dieser Ansatz hat uns schon des Öfteren erlaubt durch Cost-Averaging unerwartete Kursrückgänge dazu zu nutzen Firmen zu einem attraktiven Durchschnittspreis zu erwerben.

Rebalancing

In regelmäßigen Abständen solltet ihr auch Rebalancing betreiben. Dies bedeutet Folgendes: Für jedes Investment wird anfänglich eine Gewichtung festgelegt. Nun liegt es natürlich in der Natur der Dinge, dass sich Kurse ständig bewegen. Ihr habt beispielsweise einem Investment eine Gewichtung von 20% am Gesamtportfolio zugewiesen, durch einen extremen Kursanstieg stellt diese Position plötzlich 35-40% eures Gesamtportfolios dar. Man sollte in solchen Fällen durch Verkäufe näher an die ursprünglich anvisierte Gewichtung rücken. Rebalancings sollte man wenn nötig mindestens einmal jährlich durchführen.

Währungen

Natürlich ist jedes Investment auch ein Währungsinvestment. In welcher Währung kaufe ich ein? An welchem Börsenplatz? Anleger die nur in Euro-Werte investieren, haben in den letzten Wochen gemerkt, welchen massiven Einfluss der starke Euro-Anstieg auf den Portfolioreturn hatte.   

Exit Strategie

Des Weiteren ist die Exit-Strategie ein wichtiger Ankerpunkt. Wenn wir eine Position initiieren, ist von Anfang an klar, zu welchem Kurs wir die Aktie veräußern. Ohne diesen Ankerpunkt kann sich der menschliche Verstand nicht orientieren. Sobald die Aktie um 5% fällt und einem nicht klar ist was der Intrinsic Value des Unternehmens ist, gerät man in Panik. Der Orientierungssinn fehlt einfach. Doch eine Exit-Strategie benötigt man nicht nur wenn es gut läuft, sondern auch wenn alles schiefgehen sollte womit wir zum nächsten Absatz kommen.

Risikomanagement

Ein weiterer wichtiger (wenn nicht der zurzeit wichtigste) Punkt ist das Risikomanagement, welches nun immer wichtiger wird. Hierzu gehören Themen wie der richtige Einsatz von Stop-Loss-Mechanismen, Portfoliohedging, etc. Aus diversen Gründen glauben wir, dass es höchste Zeit ist sein Portfolio abzusichern und Alternativwerte aufzunehmen. Vor allem da die meisten Privatanleger Long-Only-Portfolios besitzen und damit nur von steigenden Kursen profitieren. Für unsere Subscriber werden wir zeitnah hierzu einen separaten Artikel veröffentlichen der die entsprechenden Investmentmöglichkeiten beschreibt.

Zusammenfassung

In diesem Artikel haben wir euch aufgezeigt, wie viele kleine Entscheidungen nach einer spezifischen Aktienauswahl getroffen werden müssen – und zwar bewusst und fortlaufend bis zum Exit.

Für jeden der oben genannten Punkte, von der Aktienauswahl über die Gewichtung bis hin zum Risikomanagement solltet ihr für euch selbst ein System entwickeln, welches rigoros angewandt wird – ohne jegliche Ausnahme.   

Wir sind der Meinung, dass Risikomanagement der größte Schwachpunkt vieler Privatanleger ist. Neben diesem Thema sehen wir fehlende Klarheit über konkrete Intrinsic Values bestimmter Aktie als Kernpunkt. Im Oktober beleuchten wir mit weiteren Artikeln vor allem diese zwei Bereiche im Detail.

 


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