Skinner, ein bekannter Psychologe an der Harvard University, ist führender Forscher auf dem Gebiet der Anreizsysteme. Was treibt Lebewesen an? Wie nehmen wir Belohnung wahr? Wie werden wir unterbewusst von Belohnungsstrukturen beeinflusst? Er untersucht dieses Gebiet, in dem er tausenden verschiedenen Lebewesen verschiedene Anreize bietet und beobachtet, wie sie sich verhalten und darauf einstellen.

Ein Teil seiner Forschung befasst sich aber auch mit folgender Frage: Welche Anreizsysteme gibt es und welche sind so mächtig, dass sich Lebewesen bestimmten Tätigkeiten wie besessen widmen. Und zwar auf eine nicht rationale Art und Weise, die keinerlei Vorteile bringt, sondern sogar eher schädlich ist. 

Im Grund genommen gibt es drei Arten von Anreizsystemen:

1. Fixed/Gleichbleibend: Bleiben wir vorerst im Tierbereich. Das Lebewesen muss einen Schalter antippen um etwas Essen zu bekommen. Es ist immer dasselbe Ergebnis. Tiere lernen dies sehr schnell. „OK. Antippen. Essen. Es geht weiter“. Sie werden aber nicht wirklich stimuliert. Es verliert wahnsinnig schnell seinen Reiz. Wie das Fixgehalt eben.

2. Changing/sich ändernd: Heute muss das Tier es einmal antippen. Morgen zweimal. Den Tag darauf wieder ein anderes Muster. Dieses Vorgehen stimuliert die Tiere. Sie sind aufgeregt. Und versuchen tagtäglich herauszufinden wie Sie heute das Essen verdienen können.

3. Variables Interval: Betätigt das Tier den Schalter, bekommt es durchschnittlich 1x Essen pro Stunde. Aber das kann bedeuten, dass es fünf Stunden-Rationen in der ersten Stunde bekommt. Dann aber für fünf weitere Stunden gar nichts. Sie erhalten dieselbe Menge an Essen, aber eben zufällig und zu unbestimmten Zeiten. Und das führt dazu, dass die Tiere ihren Verstand verlieren. Sie verhalten sich wie Süchtige. Tauben haben den Schalter 5x pro Sekunde betätigt, und das für eine Dauer von 15 Stunden und die Pausen waren hierbei nie länger als 15-20 Sekunden.

Wissenschaftlich gesehen geht es einfach nur darum, wie viel Dopamin (Glückshormone) beim jeweiligen Anreizsystem ausgeschüttet wird. Der Dopaminrausch wirkt wie eine Droge, die ausgeschüttet wird wenn man etwas bekommt was unglaublich wichtig für einen ist, bei dem man aber nicht wusste wann genau man es erhalten wird. Und man kann von der Taube gleich zum Menschen springen. Das variable Interval liegt im Herzen des Glückspiels. Dies ist auch der Grund wieso wir unsere E-Mails oder Whats App-Nachrichten bzw. News andauernd checken. Manche Nachrichten sind extrem wichtig, aber man weiß nicht wann diese eintrudeln. Also checkt man es immer und immer wieder. Genau dasselbe machen Viele mit ihrem Trading-Account. Sie werfen viele Male täglich einen Blick darauf. Als ob Sie etwas beeinflussen könnten.

Dopamin Ausschüttung ist auch im aktuellen Hype-Thema Bitcoin, Ethereum & Co. omnipräsent. Zum einen ist es ein komplexes Thema mit dem man ohne Probleme einiges an Zeit verbringen kann um sich in die Technologien einzulesen und die Wertigkeit dieser zu evaluieren. Hierbei sprechen wir bspw. von der Menge an ICOs die stattfinden bzw. angekündigt werden. Zum anderen ist es aber so, dass sich der Markt so schnell bewegt, dass bei jedem aktualisieren der Blockfolio App mit den zu beobachtenden Coins/Tokens merkbare Veränderungen ersichtlich sind was wiederum stimuliert.

Kommen wir aber zu unserem eigentlichen Fokusthema: Aktieninvestments. Die Börse ist nichts anderes als ein variables Interval. US-Aktien haben beispielsweise durchschnittlich 7.5% p.a. Rendite eingefahren im Verlauf des letzten Jahrhunderts. Das bedeutet, dass man sein Geld alle zehn Jahre verdoppelt. Aber wie es so im Leben ist, bewegt sich die Börse nicht in Durchschnitten. Manchmal passiert 20 Jahre lang nichts bevor sich der Index innerhalb von wenigen Jahren vervielfacht. Und genau dasselbe System, welches Tauben wahnsinnig macht, bringt auch Menschen dazu den gesunden Menschenverstand auszuschalten weil man auf die nächste hohe Rendite wartet – aber nicht weiß wann genau diese kommt. Es gibt einen Grund weshalb Aktien 24/7 abgedeckt werden. Achtet darauf wie oft ihr euch euer Portfolio schaut. Wie oft ihr traded und News über bestimmte Aktientitel lest.

Zwei Dinge stechen heraus:

1. Du bist wahrscheinlich mehr interessiert an der Jagd auf Renditen als du sein solltest. Es gibt genug Research Paper die nachweisen dass wir:

a) mehr Aufwand betreiben
b) mehr Zeit reinstecken und
c) mehr verkomplizieren

als wir es eigentlich sollten. Lasst stattdessen die Zeit die Arbeit verrichten, versteht was ihr kontrollieren könnt und was nicht.

2. Es geht nicht um Charts, Excel und Research. Eure Handlungen sind zu einem großen Maß ein Resultat aus dem Mischverhältnis von Kortisol und Dopamin. Beim Investieren geht es oft nicht darum was du weißt und kannst. Sondern wie du handelst. Und ob du deine Emotionen unter Kontrolle hast. Verhalten ist schwer zu lehren und schwer zu kontrollieren. Es ist schwer zu akzeptieren, dass jeder von uns auf bestimmte, festgelegte Weise auf Risiko und Chancen reagiert. Wir sollten mehr Energie darauf verwenden zu verstehen, wie wir konditioniert sind.

Beobachtet euch selbst, schafft Bewusstsein für Glückshormone und eure Muster. Tut an der Börse tendenziell weniger als ihr denkt tun zu müssen. Denkt stets langfristig.

 

 


RECHTLICHER HINWEIS NACH WPHG
Die in diesem Blog enthaltenen Beiträge und Analysen sind unsere persönliche Meinung und stellen weder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar, noch sind sie als Beratungsleistung zu werten. Wir übernehmen trotz aller Sorgfalt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen; sie beruhen auf Quellen, die wir für vertrauenswürdig und zuverlässig halten.
Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Handel mit Aktien, Optionsscheinen, Zertifikaten, Optionen und anderen Finanzprodukten mit grundsätzlichen Risiken verbunden ist und zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann. Gewinne der Vergangenheit können zukünftige Ergebnisse nicht garantieren.
Für Investitionen, die aufgrund unserer Aussagen getätigt werden, übernehmen wir keinerlei Verantwortung. Jeder Anleger handelt auf eigenes Risiko und sollte sich von einem bankunabhängigen Experten beraten lassen, inwieweit die vorgestellten Wertpapiere zu seinem persönlichen Risikoprofil passen.