Von Alltime High zu Alltime High. Aktien können nicht ewig steigen, genauso wenig können Zinsen dauerhaft fallen. Welche Strategien funktionieren in solchen Zeiten also am besten? Nun – da wir uns von einem Allzeithoch zum nächsten hangeln – beschäftigen sich viele Leser mit dieser Frage. Einer dieser Preisspitzen wird DIE Spitze sein. Vorherzusagen welche es sein wird, ist allerdings ein Ding der Unmöglichkeit. Wir bringen euch nachfolgend einige der euch zur Verfügung stehenden Ansätze näher:

Momentum

Für Investoren, die einen Value bzw. Quality Investing-Ansatz verfolgen, ist es enorm schwer, folgende Tatsache zu akzeptieren: Ein Alltime High führt in der Regel zu einem neuen Alltime High. Der S&P 500 hat seit dem Überschreiten des Hochs im März 2013 ganze 150 neue Allzeithochs erreicht.

Die Momentum-Strategie bzw. das Konzept der Trendfolge erfreut sich immer höherer Beliebtheit. Dieses Konzept besagt, dass Assets, die in der Vergangenheit statistisch gut (bzw. schlecht) performt haben, auch in der nahen Zukunft gut (bzw. schlecht) performen werden. Bei diesem Ansatz benötigt man ein sehr klar definiertes Regelwerk, welches es einzuhalten gilt. Ebenso erfordert dieser Ansatz ein konstantes Monitoring.

Keep it simple

Es gibt eine unglaubliche Anzahl an verschiedenen und komplexen Produkten sowie Strategien: gewisse Hedging-Techniken und -produkte, Bear Market Fonds, inverse ETFs, Produkte auf den VIX (Volatilitätsindex), etc.. Aber all diese Produkte haben einen großen Nachteil: Timing ist extrem wichtig. Man kann oft richtig liegen, aber trotzdem keinen Gewinn erzielen. Schaut euch den Fall Tesla an. Ist das Unternehmen überbewertet? Wir meinen: Eindeutig. Sollte man das Unternehmen shorten? Wir meinen: Derzeit lieber nicht. Viele Investoren haben sich in den letzten Jahren daran die Finger verbrannt – einfach nur, weil das Timing nicht gestimmt hat. Der Markt kann eben länger irrational bleiben als wir solvent. Der einfachste Weg, das Risiko zu minimieren ist die Cash-Position zu erhöhen, Deep Value Investments zu finden oder das Aktien-Exposure zu minimieren.

Cash für schlechte Zeiten

Markteinbrüche sind stark und kommen unerwartet. Daher ist es immer gut, eine gewisse Menge an Barem auf die Seite gelegt zu haben, auch wenn es im derzeitigen Niedrigzinsumfeld keinerlei Rendite erwirtschaftet. Denn wenn es bergab geht, gibt es nichts Schlimmeres, als voll investiert zu sein und nicht agieren zu können weil euer gesamtes Kapital bereits gebunden ist. Hier geht es allerdings nicht nur darum, Aktien in Zeiten von Überreaktionen günstig erwerben zu können. Ebenfalls wichtig ist, nicht in Aktien überinvestiert zu sein. Derzeit gibt es nur eine Richtung – nach oben. Bei vielen Privatanlegern verfestigt sich daher das Bild, dass es relativ einfach ist, Geld am Markt zu erwirtschaften. Die Selbstüberschätzung sorgt dafür, dass man sein eigenes Können falsch bewertet. Wir hören leider viel zu oft, dass zu große Summen des Privatvermögens in Aktien geflossen sind.

Re-Balancing

Wer beispielsweise 2009 60% in US-Aktientitel und 40% in US-Anleihen investiert hat, hätte heute ein 80/20 Portfolio. Das geht natürlich mit einer massiven Änderung des Risikoprofils einher. Daher ist es manchmal keine schlechte Idee, ein Re-Balancing zu betreiben um sich so den anfänglich gesetzten Allokationsgrenzen anzunähern – wie auch immer diese vom jeweiligen Investor gesetzt wurden.

Reallokation

Dies hier ist unser Favorit. Seit der Finanzkrise ist nun ein Jahrzehnt vergangen, alles hat sich verändert. Mit einem neuen Alltime High steigt auch das Risiko eines noch größeren Absturzes – allerdings nicht bei allen Titeln. Bei dieser Reallokationsstrategie geht es darum, sein Geld in gute Assets umzuschichten, die relativ zu einem Vergleichsindex unterperformt haben – und zwar trotz der zugrunde liegenden stark Fundamentaldaten. Value-Aktien haben in den letzten 10 Jahren 3% p.a. schlechter abgeschnitten als Wachstumsaktien. US-Aktien haben europäische Aktien signifikant geschlagen. Sowohl US- als auch EU-Aktien haben im Vergleich mit Emerging Markets Aktien stark abgeschnitten. Investoren, die also von einer Rückkehr zum Mittelwert („Mean Reversion“) ausgehen, können Ihre Portfolios in dieser Hinsicht stärker umschichten.

Cost-Averaging

Mit dieser Strategie kann man zwar nicht gerade angeben, aber die Vorteile lassen sich nicht von der Hand weisen. Hier geht es darum, über einen Zeitraum Summen in gewissen Intervallen in ein diversifiziertes Portfolio zu investieren – bspw. über einen ETF-Sparplan. Man umgeht das Risiko des falschen Timings und zerbricht sich nicht endlos den Kopf. 

Buy and Hold

Buy and Hold ist “einfach”, wenn es nur bergauf geht aber in schlechten Zeiten wahnsinnig schwer umzusetzen. Es gibt noch immer Value-Investments, doch sind sie derzeit extrem stark begrenzt und schwer zu finden. Dieser Ansatz ist mental eine Herausforderung, aber er reduziert Transaktionskosten, das Timing-Risiko und Steuern.

Investieren zum neuen Alltime High – Fazit

Man kann unmöglich sagen, welcher Ansatz der Richtige ist. Jeder hat gewisse Vor- und Nachteile. Es ist darüber hinaus eine personenabhängige Entscheidung, die dem eigenen Charakter entsprechen muss. Einige von euch werden sich ausschließlich auf einen Ansatz fokussieren, andere wiederum werden Investmentstile vermischen. Es ist es am Wichtigsten, zuerst zu verstehen was psychologisch für einen selbst am besten funktioniert und das in der Folge konsequent umzusetzen. Die beste Strategie der Welt nützt einem schließlich nur, wenn man sich auch daran hält – egal was im Markt tagesaktuell gerade so passiert.

 

 


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