Der Austausch mit einem unserer Mitglieder hat uns dazu bewogen, diesen Artikel zu verfassen. In dem Gespräch ging es darum, dass Fundamentaldaten bei der Bewertung schon lange keine Rolle mehr spielen. Das ist richtig. Es ging aber auch um die Frage, ob das Investieren auf Basis von Fundamentaldaten nicht langfristig korrumpiert und damit obsolet wird. Wir lassen euch daher an einigen Gedankengängen teilhaben.

ETFs – Passive Investoren lachen über Aktive Investoren

Es ist interessant, die ganzen Diskussionen in Foren und anderen Medien zu beobachten. Bekannte Manager von passiven Fonds lachen über aktive Manager. Man hat ja schließlich eine viel höhere Rendite erzielt. Die Cash-Inflows in diese Produkte steigen im selben Maße wie die Cash-Outflows bei aktiven Managern zunehmen.

Im Markt geht es um folgendes: Wenn ein Wert falsch bewertet ist, besteht eine Möglichkeit Geld zu verdienen. Geld wird so lange in den Aktientitel fließen, bis die Lücke geschlossen ist. So bleiben Märkte effektiv. Und „Indixer“ (passive Investoren) sind auf die Aktivitäten der aktiven Stockpicker angewiesen und sollten diesen daher danken. Wenn alle anderen nicht versuchen würden den Markt zu schlagen und Rendite zu generieren, würde das ETF-System nicht funktionieren.

Ausgelöst durch den Stimulus der Zentralbanken waren ETFs die Helden des letzten Zyklus – und sie sind es immer noch. Das Halten eines relativ hohen Cash-Anteils sowie jegliches Beta-Underweighting (=Aktienpicking, Value-Investing, das Nichthalten eines Marktportfolios) resultierten einer klaren Underperformance.

Nun zu den Privatanlegern

Und da dies augenscheinlich die einzige Strategie war, die seit der Finanzkrise funktioniert hat, verfolgen nun Privatanleger die selbe Strategie mit einer Entschlossenheit, die wir zuletzt 2006 vor dem Platzen der Immobilienblase gesehen haben. Auch wenn die meisten behaupten nicht auf der Jagd nach Renditen und der neuesten Investment-Modeerscheinung zu sein – die Geschichte ist so alt wie die Märkte und daran wird sich nichts ändern: Die meisten Privatinvestoren strömen am Ende eines jeden Zykluses in Massen in eine bestimmte Anlage.

Das ETF-Manager mittlerweile solche Freudentänze aufführen, sollte nicht überraschend kommen. Denn solch ein Verhalten erwartet man auf dem Höhepunkt. ETFs sind derzeit zu populär, zu viel Indexing allerdings ist selbstzerstörerisch. Ab einem gewissen Punkt sind nämlich die zu erwartenden Renditen negativ. Bei vielen ETFs sind wir an diesem Punkt bereits angelangt aber die Leute kaufen weiter. Nicht weil der Preis attraktiv ist. Sondern einfach nur weil Aktien derzeit steigen. Gerade dann wenn man die Fundamentalanalyse am meisten braucht, lässt die breite Masse von ihr ab.

Wir werden an einen Punkt kommen, an dem ETF-Investoren vom raschen Cash-Outflow überrascht werden. Denn Geld wird immer dorthin fließen wo es am meisten Rendite gibt. Vielleicht wird das Geld komplett aus dem Aktienmarkt abfließen. Dann werden aktive Investoren an deren Stelle treten um die Arbitrage-Lücke zu schließen.

Das heißt nicht, dass es sich langfristig nicht lohnt einen ETF-Sparplan aufzusetzen. Man darf sich dann von starken Einbrüchen allerdings nicht einschüchtern lassen und muss sicherstellen, diesen über einen langen Zeitraum hinweg  zu besparen.

Fazit

In diesem Sinne fassen wir die wichtigsten Punkte für euch zusammen: 

  • Im Verlauf der Zeit tendieren die Märkte immer zum Mittelwert (Mean Reversion)
  • Exzess in eine Richtung wird zu einem Exzess in die andere Richtung führen. Das liegt in der menschlichen Natur
  • Es gibt keine neue Ära – Exzess ist niemals andauernd.
  • Wie Ed Seykota einmal so schön gesagt hat “The markets are the same now as they were five or ten years ago because they keep changing – just like they did then.”
  • Exponentiell steigende oder fallende Märkte bewegen sich länger in die jeweilige Richtung als man anfänglich denkt. Aber sie korrigieren nicht in dem sie seitwärts laufen.
  • Die breite Masse von Privatanlegern investiert den Großteil des Kapitals nahe dem Höhepunkt und kauft am wenigsten, wenn sich Werte nahe ihres Tiefpunkts bewegen

Sagt dir diese Art von Artikel zu? In diesem Beitrag haben wir uns mit Dividendentiteln im Portfolio auseinandergesetzt. Es kann durchaus Sinn machen, die eigenen Dividendentiteln nochmal unter die Lupe zu nehmen.

 

 


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