Portfolioaufbau Basics IV – Moat

Wie wir in einem unserer früheren Artikel beschrieben haben, sind wir der Meinung, dass eine Portfoliogröße von 5-10 Aktientiteln aus Diversifikationsgesichtspunkten ideal ist. Das Downside-Risiko ist minimiert, gleichzeitig können aber erhebliche Positiv-Resultate erzielt werden.

In diesem Artikel legen wir euch im Detail offen, wie wir unser Portfolio konstruieren und darüber entscheiden welches Unternehmen wie lange gehalten wird.

Holding-Klassifizierung

Da wir extrem selektiv investieren und zum Teil sehr lange warten bis wir eine Position initiieren, gibt es bei uns eigentlich nur 2 Arten von Unternehmen:

Core Holding

Diese Core Holdings waren und sind in der Lage den Intrinsic Value über einen langen Zeitraum um ca. 15% p.a. zu steigern. Zu dieser Kategorie gehören Apple, Netease sowie unsere neueste Kernposition die wir erst kürzlich veröffentlicht haben. Übrigens – sollte die Apple-Aktie nochmals auf/unter $140 fallen, dürft ihr ruhigen Gewissens zugreifen.

Diese Art von Unternehmen ist per definitionem extrem schwer zu finden. Sie benötigen einen großen Moat (Burggraben = hohe Markteintrittsbarrieren durch starke Alleinstellungsmerkmale) und einen hohen Return on Capital. Das erwirtschaftete Geld muss wiederum mit hoher Rendite erneut angelegt werden können. Darüber hinaus müssen Sie in Märkten aktiv sein, die langfristig signifikant wachsen.

Aufgrund dieser Seltenheit kommen wir zur folgenden Schlussfolgerung: Sobald die Core Holding-Position vollständig aufgebaut ist – was manchmal seine Zeit braucht – beläuft sich die Positionsgröße in der Regel auf min. 10-20%. Wir sehen diese Investments als permanente Beteiligung an. Wir haben keinerlei Interesse daran, diese Position zu verkaufen oder zu trimmen und haben keinen anvisierten Exit-Preis.

Wenn ein Business 15% auf das investierte Kapital verdient (Return on Capital), wird sich der annualisierte Return eines Investors langfristig ebenfalls dem Wert von 15% angleichen.

Intermediate Holding

Dies sind eher opportunistische Investments, die in reifen aber wachsenden Märkten aktiv sind. Wir investieren nur, wenn wir der Meinung sind, dass diese Firmen unter Ihrem Intrinsic Value zu haben sind. Intermediate Holdings besitzen viele Charakteristika einer Core Holding – allerdings wachsen sie strukturell bedingt nur im einstelligen Bereich. Folgende Faktoren führen aber dazu, dass in der Regel ein exzellenter Return erzielt werden kann:

  • Günstiger Einkaufspreis
  • Konstanter Anstieg des Intrinsic Values
  • Halte-Periode von 3-5 Jahren
  • Aktienrückkäufe
  • Erfolgreiche Firmenzukäufe
  • Steigerung der Gewinne (durch neue Produkte, Kostenrestrukturierung, etc.)

In diese Kategorie fallen AOBC, unser Aktientipp 2017 sowie das hier vorgestellte Unternehmen. Der Anlagehorizont liegt zwar weit über dem Durchschnitt der meisten Investoren, jedoch ist er endlich. Wir behalten stets den Preis im Auge und behalten uns vor einen geeigneten Ausstiegspreis zu definieren. Im Schnitt entspricht eine Intermediate Holding ca. 5-8% des Gesamtportfolios.

Unternehmensarten

In diesem Abschnitt gehen wir noch einen Schritt weiter und erläutern, welche Voraussetzungen Geschäftsmodelle erfüllen müssen um als Core bzw. Intermediate Holding klassifiziert zu werden.  Grob gesagt lassen sich sämtliche Unternehmen in folgende 5 Kategorien einordnen:

Moat - Portfolioaufbau

1) Kein Moat (Alleinstellungsmerkmal)

Die Bezeichnung verrät euch alles was ihr darüber wissen müsst. Die meisten Unternehmen fallen in diese Kategorie. Investments in solche Firmen vermeiden wir unter allen Umständen. Diese sind meist nicht profitabel, erliegen dem Preiskampf und können langfristig keinen überdurchschnittlichen Wert schaffen. 

2) Legacy Moat – Capital Returner

Diese Unternehmen sind in einem sehr stabilen Markt führend tätig, der es erlaubt viel Cash zu generieren bzw. einen hohen Return on Capital zu erzielen. Das Unternehmen hat allerdings kaum Möglichkeiten, dieses Geld gewinnbringend im Hauptgeschäft zu reinvestieren und führt daher nahezu das gesamte Kapital an Investoren zurück. Ein Beispiel hierfür wäre Coca-Cola. Solche Unternehmen kommen für uns nur als Intermediate Holdings in Frage. Unser Aktientipp 2017 ist ein solcher Kandidat.

3) Legacy Moat – Acquirers

Diese Unternehmen sind in einem sehr stabilen Markt führend, generieren viel Cash bzw. erzielen einen hohen Return on Capital. Allerdings führt das Management das erwirtschaftete Kapital nicht an die Investoren zurück, sondern investiert in Akquisitionen von Firmen, die in angrenzenden oder komplett neuen Märkten aktiv sind. Der Grund dafür ist auch hier, dass im Hauptmarkt keine oder nicht genügend Investmentmöglichkeiten bestehen. Hierfür ist ein herausragendes Management notwendig. AOBC fällt in diese Kategorie. Solche Investments sind meist Intermediate Holdings. Nur wenn das Management langfristig herausstehende Investmententscheidungen trifft und es ausreichend Akquisitionskandidaten gibt, kann solch ein Unternehmen als Core Holding definiert werden. 

4) Reinvestment Moat

Unternehmen in dieser Kategorie erfüllen alle Eigenschaften eines Legacy Moat (Return on Capital, marktführend, etc.), allerdings haben sie die Möglichkeit, das Kapital über lange Zeit hinweg in ihrem Hauptmarkt zu investieren. Ebenso bestehen Möglichkeiten, diesen Markt durch Expansion stark zu erweitern. Netease ist ein gutes Beispiel für diese Kategorie. Solche Unternehmen klassifizieren wir als Core Holdings.

5) Compounder

Diese Unternehmen sind extrem selten zu finden – wer solch einen Aktientitel identifiziert und über längere Zeit hält, kann sich über herausragende Renditen freuen. Nicht selten sind es Multi-Bagger – Amazon ist ein Beispiel. Wir haben aber erst kürzlich einen weiteren Kandidaten für euch identifiziert. Voraussetzung hierfür ist, dass die Firma über Möglichkeiten verfügt Umsatz und Cashflow über die nächsten 10-15 Jahre konstant zu steigern. Oft sind dies Business-Modelle, die wenig kapitalintensiv und daher sehr schnell skalierbar sind. Hat die Branche Rückenwind hat und das Management agiert Shareholder freundlich, habt ihr den Jackpot geknackt – eine klare Core Holding.

Fazit

Wenn ihr zukünftig eure eigenen Analysen durchführt oder Ideen habt, werdet euch im ersten Schritt über das Moat des Unternehmens klar und ordnet eure Investments in eine der Kategorien ein. Ihr könnt auf diese Art und Weise vielversprechende Kandidaten identifizieren oder unpassende Firmen umgehend aussortieren. Manchmal sind die besten Investments die, die man nie getätigt hat.

Widmet euch neben dem Thema Portfolioaufbau als Nächstes der Unternehmensbewertung-Serie. Im Artikel zu Cash Flows erfahrt ihr, wie ihr den operativen Cash Flow und den Free Cash Flow berechnet. Hiermit könnt ihr unsere Berechnungen in Premium Aktienanalysen besser nachvollziehen sowie eigenständig Firmenwerte berechnen.

 


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