Heute informieren wir euch über Aktienoptionen und Volatilität. Letzteres war bis vor kurzem eines der interessantesten Assets überhaupt. Wie bitte – Volatilität ist ein Asset? Manchmal reicht eben nur ein kleiner Perspektivenwechsel.

Wir hatten den Entwurf für diesen Artikel schon eine Weile im Schubfach liegen, waren allerdings mit der Veröffentlichung nicht schnell genug. Vor kurzem kam es zu einer Korrektur im Markt –  Stimmen wurden laut, dass der Volatilitätsindex VIX manipuliert wurde. Ein Whistleblower hatte die Öffentlichkeit darüber in Kenntnis gesetzt (hier zum Artikel vom 18.02.2018). Auch wenn die Mathematik in diesem Artikel durch diesen Zwischenfall bereits irrelevant geworden ist, so ist der pädagogische und informative Teil jedoch zeitlos. Irgendwann wird Volatilität wieder günstig sein – und ihr in der Lage diese Chance zu erkennen.

Aktienoptionen

Einige von euch beschäftigen sich mit diesem Thema – die meisten jedoch nicht. Die Thematik ist kompliziert. Viele Formeln. Deswegen stellen wir hier alles so einfach wie möglich dar:

Viele Anleger halten ein Long Only Portfolio. Sie legen sich Aktien ins Portfolio und hoffen auf einen Wertanstieg. Was aber wenn der Markt dreht? Denn wenn es zur Korrektur kommt, sind in der Regel alle Aktien betroffen. Egal ob Sie über- oder unterbewertet sind. Um dem Verfall des Portfoliowertes zuvorzukommen, können wir Put Optionen erwerben. Put Optionen stellen das Recht dar (es ist keine Verpflichtung!), eine bestimmte Aktie oder sogar einen gesamten ETF zu einem vorherig vereinbarten Preis zu verkaufen. Nehmen wir an, der Put gibt uns das Recht eine Aktie, die derzeit zu €30 gehandelt wird, bis Juni 2019 zu €25 zu verkaufen. Wir setzen also auf fallende Kurse. Wenn die Aktie bis dahin unter €25 fällt machen wir Gewinn. Falls die Aktie auf €20 fällt, kann man sie nämlich für €20 kaufen, die Put Option einlösen und sofort wieder für €25 verkaufen. Das selbe funktioniert mit ETFs.

Treffen wir ein paar vereinfachte Annahmen. Euer Portfolio korreliert zu 100% mit dem S&P und ihr seid 100% investiert. Stand Januar 2018 konnte man ein Portfolio in Höhe von €10.000 nämlich wie folgt mit einem 1-Jahres- Put auf den S&P absichern. Wenn man eine Put Option erworben hätte die 5% OTM (Out of Money) liegt – der S&P muss also 5% fallen bevor die Put Option greift und den intrinsischen Wert entwickelt – hätte man sein Portfolio für 4% (€400) absichern können. Wenn das Portfolio dann also um 20% von €10.000 auf €8.000 fällt, wird ein Teil des Verlustes durch den Anstieg des Optionswertes um €1.500 aufgefangen. Euer Portfoliowert läge dann bei €9.100 da wir €400 für die Put Option gezahlt haben.

Ohne zu sehr auf die Details einzugehen bevor wir fortfahren: Der Wert einer Option wird hauptsächlich von 2 Faktoren getrieben. Zeit bis zum Verfall der Put Option: (Sie werden immer günstiger je näher Sie an das Verfallsdatum kommen) und die erwartete Volatilität.

Wir bezahlen eine Prämie, das ist alles. Wenn wir falsch liegen, ist die Prämie der einzige Verlust den wir erleiden. Wenn wir Put Optionen also zum Zwecke der Portfolioabsicherung benutzen, ist es nichts anderes als eine Versicherung. Und diese Options-Versicherungen sind wie jedes andere Asset auch: die Preise bewegen sich wie Aktien. Und dadurch macht das Pricing an einem Tag Sinn. An einem anderen wiederum überhaupt nicht. Es ist dasselbe Spiel wie bei Aktien. Und bis zur Korrektur im Februar hat es sehr viel Sinn gemacht sein Portfolio mit Puts abzusichern.

Naturkatastrophen

Versicherungen gegen Naturkatastrophen funktionieren genauso. Man zahlt eine Prämie. Wenn das Unglück eintritt, hat man sein Eigentum abgesichert. Wenn nichts passiert, hat man die Prämie zwar verloren aber man kann in Ruhe schlafen.

Nehmen wir an man lebt in einem Hochwassergebiet. Und nehmen wir an das statistisch gesehen eine 20%ige Wahrscheinlichkeit eines starken Anstiegs des Wasserspiegels besteht. Alle 5 Jahre wird man statistisch gesehen also von einer Flut getroffen. Das heißt nicht, dass dies auch alle 5 Jahre geschieht. Sondern das im Zeitraum von 100 Jahren im Schnitt 20 Hochwasserfluten erwartet werden.

Natürlich werden die Kosten einer Versicherung auch von anderen Faktoren beeinflusst, beispielsweise der Vertragsgröße, Dauer, etc. Aber der größte Preistreiber ist die erwartete Wahrscheinlichkeit.

Die oben aufgeführten 20% ist die Zahl, die eine Versicherung nutzt um den intrinsischen Wert eines Versicherungsvertrages zu bestimmen. Aber hier müssen wir eindeutig zwischen diesem statistisch wahren Wert und der erwarteten Wahrscheinlichkeit unterscheiden. Denn so funktionieren wir Menschen, wenn wir uns immernoch an die Flut von vor einigen Monaten erinnern ist der Schmerz und die Erinnerung noch frisch und wir weisen einem Ereignis eine viel höhere Eintrittswahrscheinlichkeit zu (sagen wir 40%). Wenn 8 Jahre nichts passiert ist, weisen wir dem Ereignis entsprechend einen viel niedrigeren Wert zu (sagen wir 10%).

Die Versicherungskosten schwanken also zwischen 10% und 40% obwohl der wahre intrinsische Wert sich nicht verändert hat. Es sind noch immer 20%! Als Versicherer will ich natürlich so viele Policen wie möglich zeichnen, wenn sich der Wert weit über den 20% befinden. 

Schauen wir uns den Dax als Beispiel an, dessen Volatilität anhand des VDAX-New gemessen wird. Wir sehen, wie im Februar die Volatilität nach oben geschossen ist. Und wie bei Naturkatastrophen auch, haben die meisten den starken Portfoliorückgang immer noch vor Augen. 

Aktienoptionen VDAX New

Abbildung: VDAX-New, Onvista

Entsprechend haben sich die Kosten für die Portfolioabsicherung stark erhöht. Der Dax hat im letzten Jahr eine Volatilität von knapp 12% verzeichnet. Auf 3-Jahres Sicht waren es im Schnitt 11% p.a. Wenn wir uns jetzt die Optionspreise mit denselben Eckdaten ansehen (Laufzeit 1 Jahr, 5% OTM), so liegt die implizierte Volatilität bei 14.5-17%.

Portfolioabsicherung

Zum Schluss noch ein praktisches Anwendungsbeispiel. Wir haben oben vereinfachte Annahmen getroffen, die nur auf Leute zutreffen deren Portfolio aus einem ETF auf den S&P besteht. Die meisten haben jedoch eine Mischung aus ETFs und Einzeltiteln.

Im ersten Schritt ermittelt ihr wie hoch eure Investmentquote ist. Wir sind derzeit beispielsweise mit 85% investiert. Der Rest liegt in Form von Cash auf dem Konto.

Im nächsten Schritt müsst ihr herausfinden, wie sich euer Portfolio im Vergleich zum Markt bewegt. Hierzu ist es aber unabdingbar eure Performance zu tracken. Wir empfehlen euch hierzu die Verwendung von Portfolio Performance, einem großartiges Tool welches kostenlos zum Download zur Verfügung steht. Wenn ihr dieses Tool benutzt, seht ihr eure Volatilität und könnt diese mit dem gewünschten Index vergleichen. Unsere Volatilität bewegt sich bei 70% vom Benchmark-Index. Wir müssen folglich also nur 70% unseres investierten Kapitals absichern (70%*85%=59.5%)

Unsere Kosten zum Schutz gegen einen Preisverfall von 5% oder mehr würde demnach für ein Jahr 2.38% betragen: Das sind die 4% (Kosten der Versicherung siehe oberes erstes Beispiel) multipliziert mit 59.5%. Bei einem Portfolio von 10.000 wären es also gerade einmal €238.

Fazit

Wie ihr sehen könnt, lohnt sich eine Auseinandersetzung mit Aktienoptionen zur Portfolioabsicherung auf jeden Fall. Lasst die ganzen Formeln weg, und fokussiert euch zuerst aufs große Ganze. Für Value/Quality- Investoren ist Volatilität kein Risiko – der permanente Verlust von Kapital ist der wahre Feind. Eure Strategie sollte also sein, in Zeiten von niedriger implizierter Volatilität euer Hedging aufzubauen in dem ihr das unterbewerte Asset „Volatilität“ einkauft.

 

 


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