Firmenwert berechnen – Teil 3

Willkommen zu Teil 3 der Firmenwert berechnen Serie. In Teil 1 ging es um Enterprise vs. Equity Value und das gewünschte Cashflow Multiple. Teil 2 handelt von Stock Screenern und der relativen Firmenberechnung.

Wie Ihr sicher in einigen unserer Analysen festgestellt habt, verwenden wir sehr viel Zeit darauf die Cashflow-Ströme eines Unternehmens zu analysieren. Befinden wir uns im Hinblick auf den Free Cashflow auf dem historischen Höhepunkt? Wenn ja, kann dieses Level weiterhin beibehalten werden oder gar ausgebaut werden? Oder besteht die Gefahr eines zyklischen Rückgangs? In den Medien wird hierüber hingegen nicht viel diskutiert.

Es gibt Multiples wie das KGV (Eng.: P/E-Ratio), die vor allem bei Anfängern und den Massenmedien sehr beliebt sind. Und doch hat kaum eine andere Zahl so wenig Aussagekraft wie diese. Denn je weiter man sich in der GuV nach unten arbeitet, desto mehr Ansatzwahlrechte und Gestaltungsmöglichkeiten haben die Buchhalter des jeweiligen Unternehmens. Dies erschwert das Firmenwert berechnen. Einige andere Kennzahlen haben weitaus mehr Aussagekraft auf den zukünftigen Return, so zum Beispiel das EV/EBITDA-Ratio.

Wenn ihr aber nur eine Erkenntnis mitnehmt aus diesem Artikel, dann ist es Folgendes: Cash is King. Research Paper zeigen deutlich auf, dass Unternehmen mit der Fähigkeit hohen Free Cash Flow zu generieren, langfristig im Schnitt ca. 10% p.a. besser performen als Ihre Gegenstücke mit niedriger Profitabilität. Fokussiert also den Großteil eurer Energie bei der Bewertung auf die Berechnung des Free Cash Flows.

Wie genau das funktioniert erklären wir euch nachfolgend.

Schritt 1: Berechnung des operativen Cash Flows:

In den offiziellen Jahresberichten wir das Cashflow Statement in 3 Bereiche untergliedert:

  1. Cashflow aus operativer Tätigkeit;
  2. Cashflow aus Investitionsgeschäften und
  3. Finanzierungstätigkeit.

Bei der Bewertung geht es darum, herauszufinden wie viel Cash ein Unternehmen aus dem laufenden Geschäft extrahieren kann. Unser Augenmerk liegt also hauptsächlich auf Nummer 1 & 2. Im ersten Schritt ermitteln wir den operativen Cashflow mithilfe der indirekten Methode. Dabei fängt man beim Jahresgewinn an und zieht alle nicht zahlungswirksamen Erträge ab (zum Beispiel Zuschreibungen auf Anlagevermögen – es wurde in diesem Fall nicht wirklich Cash generiert) und addiert alle nicht zahlungswirksamen Aufwendungen (Abschreibungen, da ja nicht wirklich Cash abfließt) wieder ab. Auf diese Weise erhaltet Ihr die wahre Höhe des generierten Geldes.
Hier eine Übersicht der wichtigsten nicht zahlungswirksamen Geschäftsvorgängen.

Firmenwert berechnen - Zuschreibungen und Abschreibungen

Wir hoffen, es wird hieraus klar weshalb das P&E Ratio unserer Meinung nach zumeist nur sehr wenig Aussagekraft hat. Es fließen einfach zu viele Transaktionen in die Berechnung die rein buchhalterisch sind und bei denen keinerlei Cash ausgetauscht wird.

Die gute Nachricht: Ihr müsst diese Berechnung nicht jedes Mal alleine durchführen. Wir wollen nur sicherstellen, dass ihr versteht wie genau der operative Cashflow berechnet wird und wieso genau diese Methodik verwendet wird. Im Cashflow Statement eines jeden Jahresberichts findet ihr diese Berechnung im Detail aufgeführt. Ihr könnt diese überprüfen und in den meisten Fällen ruhigen Gewissens übernehmen.

Schritt 2: Free Cashflow

Firmenwert berechnen - Free Cash Flow Berechnung

Das ist schon alles. In der Regel schauen wir uns so viele historische Jahre an wie möglich um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob der Cashflow einem bestimmten Zyklus unterliegt oder doch eher konstant wächst. Wie sind die durchschnittlichen Wachstumsraten? Wie hoch ist die Cashflow Conversion (Free Cashflow/Umsatz). Dies erlaubt uns, Rückschlüsse auf zukünftige, nachhaltige Free Cashflows zu ziehen. Denn genau mit diesen befüllen wir unser DCF-Modell und berechnen den Firmenwert.

Unsere Premium Mitglieder führen wir in einem letzten Artikel detailliert durch eine DCF-Bewertung und stellen eine Vorlage inkl. Anleitung zum Download bereit. Ein DCF-Modell ist nämlich immer nur so gut wie euer subjektiver Input. Aber auch hier kann man mit einem klaren Leitfaden, den wir euch an die Hand geben, gute Resultate erzielen. 

Ihr seid in Zukunft damit gut mit Basics ausgerüstet um Firmenwerte berechnen zu können.

 

Erfahrt in diesem Artikel auf welche Art und Weise wir unsere Portfolio Unternehmen selektieren und wieso es erfolgreich ist.

 


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