Lesezeit: 5 Minuten

In dieser neuen Reihe haben wir uns zum Ziel gesetzt, euch andere Perspektiven zum Thema Investment aufzuzeigen. Hierzu sprechen wir mit interessanten Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen und erweitern so unseren Horizont als Investoren. Ehrliche direkte Gespräche mit offenen Menschen bringen einen meist weiter – genau das tun wir hier und schreiben dazu.

Im ersten Teil der Serie widmen wir uns dem ehemaligen Hedge Fonds Manager Florian Homm, seinerseits in früheren Jahren für Merrill Lynch, Fidelity, Tweedy Browne und Bankhaus Julius Bär tätig. Florian Homm hat an der Harvard Business School studiert, war ehemaliger Junioren Nationalspieler im Basketball, zum Höhepunkt seiner Karriere auf der Manager Magazin Liste der reichsten Deutschen und schreibt mittlerweile unter anderem Bücher zum Thema Investment. Sein neuestes Werk geht spezifisch auf Investments in Krisenzeiten ein und richtet sich an den findigen Privatanleger, der bereit ist Zeit in seine Weiterbildung und den persönlichen finanziellen Erfolg zu investieren. Im Interview mit The Value Circle spricht Florian Homm über seine Erfolge, Lehren aus schwierigen Lebensabschnitten, Einschätzungen zur Marktlage sowie seine persönlichen Interessen:

The Value Circle: Was sind die generellen Kernbausteine deines (Investment-) Erfolges? Wie hat sich die Definition von Erfolg für dich im Laufe der Zeit verändert?

Florian Homm: Jedes Investment hat ein Chancen Risiko Verhältnis. Dass sollte, für eine ausserordentliche Performance, nicht unter 3 zu 1 liegen. Man soll wie ein Casino arbeiten und nicht wie ein Spieler.

Long Positionen (Aktien): Wertschöpfer, wenig verschuldet, stabiles Geschäftsmodell, wenig oder nicht zyklisch, gutes Wachstum und überdurchschnittliche Eigenkapital Rendite, sehr gute Wettbewerbs Position, attraktive Bewertung. Zudem sollte man den Investment Case einem zwölfjährigen in zwei Minuten erklären können.

Short Positionen: genau das Gegenteil von oben.

Welcher Lebensabschnitt hat dein Investing Approach am meisten beeinflusst? Wie hat sich dein Approach über die Jahre verändert?

Die Jahre mit Peter Lynch und Anthony Bolton bei Fidelity und bei Tweedy, Browne waren sehr wichtig. Seit 30 Jahren habe ich mich zunehmend mit Leerverkauf Themen beschäftigt. Heute interessiert mich nur noch ein Total Return Ansatz oder long investieren mit Absicherung. Das wird immer wichtiger nach 35 Jahren Börsen und Anleihen Hausse. Die Japan Baisse dauert bereits 27 Jahre an, der Dow brauchte im grossen Crash ein Vierteljahrhundert um sein Verluste aufzuholen. Von 1966 bis 1982 lagen die realen Verlusten an den Börsen bei circa 75%. Wie man in so einem Klima investieren soll, wissen die wenigsten.

Nach dem Zusammenbruch von ACM musstest du durch eine schwere Zeit gehen – welchen Einfluss hatten alle diese Ereignisse auf dich? Welches sind die wichtigsten Lehren, die du für dich persönlich daraus gezogen hast?

Gerade wurde bei einem meiner Hedge Fonds Kollegen ein Golfball großer bösartiger Tumor in der Lunge entdeckt. Mein guter Bekannter hat in den wirklich wichtigen Dingen im Leben alles verpasst: Liebe, geben, Karitatives, Kinder, sinnvolle berufliche Aufgaben, herzliche Freundschaften. Er ist, wie ich zu meinen „Glanzzeiten“, Milliardär. So what?

Ich bin dankbar für die schweren Erfahrungen und meine Bekehrung. Ich geniesse mein Leben viel mehr als zu meinem weltlichen Höhepunkt.

Welche Bücher anderer Investoren haben deine Denkweise oder deine Investments beeinflusst? Was ist die wichtigste Lehre die du daraus gezogen hast? Welche Investoren verfolgst du heute?

Immer noch Buffett und Graham. Vor allem investiere ich nicht, wenn ich keinen exzellenten Investment Case habe. Ich achte sehr genau auf die folgenden Leute: Roubini, Taleb, Druckenmiller, Rogers, Soros, Gross, Dent, Icahn, Stockman.

Wie siehst du den Aktienmarkt heute? Was ist deine Einschätzung für Europäische/US und Emerging Market Aktien auf die nächsten 3-5 Jahre gesehen? Was bereitet dir am meisten Sorgen bzw. wo siehst du die größten Chancen? Hast du Ratschläge/Hinweise, die du jedem Investmentanfänger bzw. nicht professionellen (Hobby-) Anleger an die Hand geben willst?

Das Risiko wird vor sich her geschoben. Wir haben immer gesagt, dass 2017 bis Ende 2019 das Risiko enorm ansteigen wird. Die „Highs“ an den Aktienindizes haben wir auch vorausgesagt. Das diese Blase länger zum platzen braucht als andere war uns immer klar. Dafür wird der Knall größer.

Es gibt exzellente Long und Short Portfolio Kandidaten. Diese präsentieren wir in unserem Börsenbrief, auch für den Privatanleger ab dem 1. November. Vorher sollte er aber Erfolg im Crash über Amazon bestellen und lesen.
Das ist eine wichtige Einführung mit konkreten Anlage Konzepten.

Falls du darüber sprechen möchtest – in welche Unternehmen bist du aktuell investiert und was ist deine Investmentthese dahinter?

Wir haben eine sehr positive Meinung zu www.clinuvel.com und das seit längerem.

Was war dein bester Kauf, den du je getätigt hast? (vollkommen egal in welchem Bereich)

Ballmaier und Schulz AG wurde Baader Bank. Bewertung ging von DM 10 Mio. auf DM circa 4 Milliarden. Hatte anfänglich circa 10 Prozent an dem Unternehmen.
Matchnet PLC von USD 1 Mio. auf ca. USD 400 Mio.
VMR AG von DM 25.000 auf über DM 1 Milliarde
ACM von Euro 100.000 auf Euro 1 Milliarde.
Short MLP, Bremer Vulkan, WCM, First Calgary….
Clinuvel Pharmaceuticals wird der nächste Kracher. Empfehle allen mal die Bilanzen zu lesen und den Taschenrechner zu benutzen.

und so weiter…

Was empfiehlst du deutschen Investoren heute, wenn sie in USD-notierte Titel investieren? (in welcher Währung kaufen/USD Konto führen/wieso?)

Das Währungsrisiko zum Euro würde ich mittelfristig nicht absichern. Bei long Positionen würde ich keinen Verlust von mehr als 10 Prozent tolerieren. Als reiner long Investor würde ich derzeit nur mit Portfolio Insurance agieren. Das kostet zur Zeit wenig und macht viel Sinn.

Was hat dich bewegt dein neuestes Buch „Erfolg im Crash” zu verfassen? An wen genau richtet es sich?

Erfolg im Crash ist das erste Buch überhaupt in deutscher Sprache zum Thema Total oder Absolute Return investieren! Ausserdem war es an der Zeit konkret über Long und Short Investment Strategien zu sprechen und einige dumm sinnige Vorurteile gegen das Leerverkaufen auszuräumen. Was mich fast wahnsinnig macht ist diese idiotische Tendenz immer an der Börsenentwicklung zu kleben. Das ist reine Zeitverschwendung. Man sollte in guten und schlechten Börsen-Phasen verdienen. So schwierig ist das nicht. Das kann auch der Privatanleger. Der muss aber etwas Zeit in seine Weiterbildung investieren. Das ist bei sehr hohen Bewertung und manipulierten Zinsen der einzige vertretbare Ansatz. Alles andere beruht aktuell auf dem Prinzip Hoffnung (Hoffnung ist keine Strategie in weltlichen Dingen!) und wäre verantwortungslos.

Wie verbringst du deine Zeit, wenn es nicht gerade um das Thema Investieren geht?

1. Behinderten Kindern helfen:
www.olmoms.org und
www.thallion.de
2. Die Botschaften Marias bekannt machen:
www.florianhomm.org
3. Deutschland besser kennen lernen, in Bächen auf Forellen angeln, fun with my girlfriend.
4. Lesen, Computerschach.
5. Kapitalmarkt Weiterbildung:
a) meinen Youtube Kanal
b) www.investmentmastersociety.de

Abschließende Worte – Ein Thema das dich beschäftigt/dir am Herzen liegt. Etwas, dass du noch erwähnt haben möchtest?

Die bekannteste Frage in der Weltliteratur:
“zu leben oder nicht zu leben” sollte heissen:
“zu lieben oder nicht zu lieben“.
Das ist aus meiner Sicht die einzige relevante Frage.
Was ist sonst wirklich wichtig?
Liebe, Frieden, Sinn = Glück.

 


RECHTLICHER HINWEIS NACH WPHG
Die in diesem Blog enthaltenen Beiträge und Analysen sind unsere persönliche Meinung und stellen weder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar, noch sind sie als Beratungsleistung zu werten. Wir übernehmen trotz aller Sorgfalt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen; sie beruhen auf Quellen, die wir für vertrauenswürdig und zuverlässig halten.
Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Handel mit Aktien, Optionsscheinen, Zertifikaten, Optionen und anderen Finanzprodukten mit grundsätzlichen Risiken verbunden ist und zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann. Gewinne der Vergangenheit können zukünftige Ergebnisse nicht garantieren.
Für Investitionen, die aufgrund unserer Aussagen getätigt werden, übernehmen wir keinerlei Verantwortung. Jeder Anleger handelt auf eigenes Risiko und sollte sich von einem bankunabhängigen Experten beraten lassen, inwieweit die vorgestellten Wertpapiere zu seinem persönlichen Risikoprofil passen.