Die Investmentlandschaft ist aufgrund der Niedrigzinspolitik aus den Fugen geraten und steht Kopf. Anleihepreise sind im freien Fall und daher nicht mehr als Investment geeignet. Investoren sind in solch einer Marktumgebung zur Zeit sehr stark auf Dividenden fokussiert und wählen Firmen wie Coca-Cola für ihr Portfolio aus. Der Grund hierfür ist schlicht und einfach, dass die Coca Cola Dividende als attraktiv und stabil gilt. Diese Art von Investments nennen wir Bond/Anleihe-Substitute.  Wie bei Anleihen geht es nur um die jährlich wiederkehrenden Zinszahlungen. Schließlich ist dies ja immer noch besser als das Geld zu 0% auf dem Tagesgeldkonto versauern zu lassen – so das Argument.

Schauen wir uns das aber doch mal im Detail an. Die Aktienrendite besteht aus zwei Teilen, 1) der Dividendenrendite und 2) dem Wertzuwachs einer Aktie. Der Wertzuwachs wiederum wird vom Gewinnzuwachs (Earnings Growth) eines Unternehmens sowie der Änderung des Multiples bestimmt, zu dem Käufer generell bereit sind dieses Unternehmen zu erwerben. Wenn du also einige Jahre zurückgehst, kannst du die Rendite aller deiner Investments in seine Einzelteile zerlegen und nachvollziehen, wie genau die Rendite generiert wurde.

In einfachen Worten zusammengefasst: Deine Rendite besteht aus drei Komponenten.

  1. Dividendenrendite
  2. Gewinnzuwachs (Earnings Growth) und
  3. Multiplikatorveränderung (beispielsweise eine prozentuale Veränderung des P/E oder P/Cashflow Ratios).

Kehren wir zur Coca-Cola Dividende zurück: Wir haben dieses Unternehmen als Beispiel gewählt, weil es als das Qualitätsunternehmen schlechthin gehandelt wird und die Dividende so gut wie sicher ist. Das zieht Privatanleger an wie Licht die Motten.

coca cola dividende artikelbild

Wenn wir 5 Jahre zurückgehen, wurde die Aktie zu etwa $36.36 gehandelt (heutiger Stand 20.10.2017 bei $46.47). Earnings lagen bei $1.90 (2017 werden $1.91 erwartet). Kumuliert erhielt ein Investor, der seit 5 Jahren dabei ist insgesamt $6.52 an Dividende. Dies entspricht einer Dividendenrendite von rund 18% bzw. 3.5% p.a.. Auf diese Zeitdauer gesehen, lag der Total Return (Dividendenrendite + Kursgewinn) also bei 45.7% bzw. 9% p.a.. Von diesen 9% p.a. entfallen 3.5% auf die Dividenden und 5.5% auf den Kursanstieg.

Wie ist der Kursanstieg begründet? Zur Erinnerung: Der Kursanstieg besteht aus 2 Komponenten: Earnings Growth + Multiple-Erweiterung. An den Earnings kann es nicht liegen, denn diese haben sich nicht vom Fleck bewegt. Dies sollte auch keine allzu große Überraschung sein, denn Coca Cola agiert in einem sehr reifen Markt und sieht sich mit einer immer größeren Anzahl an Wettbewerbern konfrontiert. Und dennoch ist im selben Zeitraum das P/E-Ratio von ca. 19.5 auf 25 gestiegen. Auf Jahresbasis also ein Anstieg von etwa 5.5%. Die Leute sind also bereit für das selbe Unternehmen ganze 28% mehr zu zahlen als noch 5 Jahre zuvor. Wie immer fokussieren sich viele Anleger auf die Zahl, die heraussticht – die Dividendenrendite. Zugleich vernachlässigen Sie aber alle anderen Renditekomponenten.

Für ein Unternehmen ohne Wachstum ist eine Bewertung von 25 extrem hoch. Kann es noch weiter steigen? Absolut. Wie Keynes so schön formuliert hat: Der Markt kann länger irrational bleiben als du solvent. Aber eines Tages wird es eine Rückkehr zum Mittelwert geben. Die Coca Cola Dividende ist ziemlich sicher, da stimmen wir überein. Aber wenn die Earnings weiterhin nicht wachsen, und der Multiple entsprechend in den Normalbereich zurückfällt – sagen wir 13-15x – nun …. Schaut euch die Gleichung einfach an. 3% Dividende + 0% Earnings Growth – 8% Multiple-Kontraktion (bei der Annahme das der Multiple über die nächsten 5 Jahre auf 15x fällt) entspricht einer zu erwartenden Rendite von -5%. 

Verlässt du dich also aktuell auf die Coca Cola Dividende als Renditebringer oder hältst andere Aktien nur aus genau diesem Grund, raten wir dir, die anderen Komponenten nochmals genauer zu betrachten.

 

 


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